Ungarisch-jüdische Zwangsarbeit – eine kurze Chronologie der Ereignisse (Szabolcs Szita)

 MÄRZ 1944

19. März Deutsche Okkupation Ungarns

21. März Auf Befehl des Eichmann-Kommandos wird in Budapest der Zentrale Judenrat eingerichtet.

29. März Die Sztójay-Regierung gibt eine große Anzahl von Verordnungen gegen Juden heraus, von denen eine Jüdinnen und Juden verpflichtet, ab dem 5. April den Judenstern zu tragen.

APRIL 1944

1. April Die Städte Beregszász, Munkács und Ungvár werden militärisch abgeriegelt, die Gettoisierung der örtlichen Jüdinnen und Juden wird vorbereitet.

29./30. April Abfahrt der ersten Deportationszüge aus Bácstopolya, Nagykanizsa und dem bei Budapest liegenden Internierungslager Kistarcsa.

MAI 1944

4./5. Mai Transportkonferenz am Wiener Rennweg. Es wird beschlossen, dass aus Ungarn täglich vier Zuggarnituren abfahren.

11. Mai Als Vorbereitung für die Massendeportationen wird ein 48-köpfiger „Ratgeberstab" des Eichmann-Kommandos nach Munkács geschickt.

14. Mai Aus Nyíregyháza und Munkács fahren die ersten Zuggarnituren der Massendeportationen mit 3.200 und 3.169 „Transportjuden" ab.

JUNI I944

14. Juni Verlautbarung von Rezsö Kasztner beim Zentralen Judenrat: Er habe mit dem Eichmann-Kommando den Transport von 30.000 ungarischen Juden gegen Kopfgeld in die Umgebung von Wien vereinbart.

JULI 1944

6. Juli In West- und Südungarn, in den Gendarmeriebezirken III und IV, beginnt die Deportation der Jüdinnen und Juden. Die Horthy-Regierung beschließt die Deportationen zu stoppen.

8. Juli Die Deportation der Jüdinnen und Juden aus der ungarischen Provinz wird abgeschlossen. Der Kasztner-Zug kommt in Bergen-Belsen an.

27. Juli Gegen das Verbot der Horthy-Regierung deportiert das Eichmann-Kommando 1.500 internierte Ungarn nach Deutschland.

AUGUST 1944

21. August Erstes Zusammentreffen zwischen Saly Mayer, Rezsö Kasztner und Kurt Becher. Die Verhandlung findet auf der Deutschland und die Schweiz verbindenden Brücke statt. Aus der Kasztner-Gruppe kommen 318 Jüdinnen und Juden aus Bergen-Belsen in der Schweiz an.

29. August In Budapest wird eine neue Regierung gebildet. Ministerpräsident wird Generaloberst Géza Lakatos.

OKTOBER 1944

15. Oktober Die Horthy-Regierung erklärt im Radio die Absicht Ungarns, aus dem Krieg auszutreten. Die Deutschen verhelfen dem rechtsradikalen Ferenc Szálasi und seiner Partei an die Macht.

17. Oktober Eichmann und seine Offiziere kehren nach Budapest zurück.

20. Oktober In Budapest werden alle Jüdinnen und Juden zwischen 16 und 60 Jahren zur Zwangsarbeit verpflichtet. Gegen Jüdinnen und Juden in Ungarn wütet totaler Terror.

NOVEMBER 1944

2. November Auf Forderung von Veesenmayer und Eichmann werden innerhalb einer Woche zwischen 15.000 und 17.000 ungarische ZwangsarbeiterInnen der SS bei Hegyeshalom-Nickelsdorf übergeben.

8. November Auf Befehl des Eichmann-Kommandos werden von den sich am Stadtrand von Budapest befindlichen Ziegelfabriken Jüdinnen und Juden in Richtung reichsdeutsche Grenze in Marsch gesetzt.

12. November Die Zusammenführung der mit einem Schutzpass ausgestatteten Jüdinnen und Juden in den „geschützten" Häusern beginnt.

17. November Ferenc Szálasi verkündet den Plan für die Endlösung der Judenfrage in Ungarn. Er teilt die Jüdinnen und Juden in sechs Kategorien ein.

20. November Wegen internationaler Interventionen stoppt Ferenc Szálasi die Fußmärsche nach Hegyeshalom. Eichmann fordert deren sofortige Wiederaufnahme.

28./29. November Die noch in Budapest zurückgehaltenen „geschützten" Arbeitsbataillone, bestehend aus 17.000 ZwangsarbeiterInnen, werden an die reichsdeutsche Grenze transportiert und der SS übergeben.

DEZEMBER 1944

2. Dezember Die Mehrzahl der Budapester Jüdinnen und Juden wird im Ghetto in der Innenstadt von Budapest auf der Pester Seite zusammengepfercht.

7. Dezember Die zweite Gruppe des Kasztner-Zuges erreicht mit 1.368 Jüdinnen und Juden die Schweiz.

10. Dezember Das Pester Ghetto wird geschlossen.

24. Dezember Die Rote Armee schließt Budapest ein. Unmittelbar vor dem Sturm auf die Stadt entfliehen Adolf Eichmann und seine Offiziere aus Budapest.

JÄNNER 1945

16. Jänner Die Rote Armee besetzt die Pester Seite bis zur Donau. Die in den „geschützten" Häusern untergebrachten Jüdinnen und Juden gewinnen ihre Freiheit zurück.

18. Jänner Die 70.000 Jüdinnen und Juden des Pester Ghettos werden befreit.

FEBRUAR/MÄRZ 1945

13. Februar Auch die Budaer Seite der Hauptstadt wird von der Roten Armee eingenommen.

17. März Die provisorische ungarische Nationalregierung beschließt, die antijüdischen Gesetze für nichtig zu erklären.

24./25. März NSDAP-Parteifunktionäre und SS-Männer ermorden in Rechnitz ungarische Jüdinnen und Juden.

29. März Die Szálasi-Regierung ist auf der Flucht. Ihr Sonderzug verlässt bei Köszeg Ungarn. Die Rote Armee erreicht bei Klostermarienberg, Lutzmannsburg und Rechnitz österreichisches Gebiet.

APRIL 1945

11.–13. April Die Kriegshandlungen auf ungarischem Territorium werden beendet.

13. April Ermordung von 76 ungarischen Jüdinnen und Juden in Göstling a. d. Ybbs.

15. April Ermordung von 90 bis 100 ungarischen Jüdinnen und Juden in Randegg, Erschießung von 42 Jüdinnen und Juden im Sulzbacher Steinbruch, Erschießung von 21 Jüdinnen und Juden in Nikolsburg.

16. April Ein zu einem Großteil aus ungarischen Jüdinnen und Juden bestehender Fußtreck verlässt das KZ Mauthausen in Richtung Gunskirchener Nebenlager.

MAI 1945

4. Mai Der erste ungarische Spitalzug kommt in Wiener Neustadt an, um die kranken ungarischen Deportierten nach Hause zu bringen.

4./5. Mai Die amerikanische Armee befreit das KZ Mauthausen und die Lager Gusen II, Linz II und III, Gunskirchen, Lenzing, Schloß Lind und Steyr.

20. Mai Der 1. Zug mit kranken ungarischen Jüdinnen und Juden aus Mattersburg kommt in Sopron an.

OKTOBER 1945

3. Oktober Die amerikanische Besatzungsbehörde überstellt die erste Gruppe der ungarischen Hauptkriegsverbrecher, unter ihnen Ferenc Szálasi, Andor Jaross und László Endre, von Salzburg nach Budapest.

28. Oktober In Budapest beginnen die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher.